ResPublica & der Islam



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"Res Publica und der Islam", ARTE, Herbst 2008



Die Bildqualität ist leider tw. suboptimal,
weil der Film vom Bildschirm mit
einer Kamera aufgenommen wurde
(es gab ihn nicht zum Herunterladen).
Der Ton ist aber sehr gut!



"Res Publica und der Islam", ARTE, Herbst 2008 - TRANSKRIPT der ersten ca. 10 Minuten (mit kl. Auslassungen)

Der Laizismus ist bedroht

Start. Friedhof. Junge Frau mit Kind.

(Interviewer:) "Wann waren Sie das letzte Mal hier?"

(Junge Frau:) "Am Tag an dem er gestorben ist. Bisher habe ich es nicht übers Herz gebracht. Ich hätte es nicht ertragen, vor seinem Grab zu stehen. Das ist das erste Mal."

(Kommentator:) Die junge Frau macht sich schwere Vorwürfe: weil es ihr nicht gelungen ist, den letzten willen ihres Vaters zu erfüllen. Am Tag vor seinem Tod, im Mai 2005, hat Armar (phon.) seiner Tochter das Versprechen abgenommen, seine sterblichen Überreste dem Feuer zu übergeben. Doch es kam anders. Auf Gerichtsbeschluss liegt Armar jetzt auf dem muslimischen Teil des Friedhofs von Lille begraben.

(Junge Frau:) "Hier zu stehen tut weh. Da kommen schlechte Erinnerungen hoch."

(Kleiner Sohn, deutet auf den Grabstein:) "Was steht da?"

(Junge Frau:) "Ich weiß nicht, das ist Arabisch. Das versteh ich nicht."

(Kleiner Sohn:) "Er konnte Arabisch lesen!"

(Junge Frau:) "Nein er konnte es auch nicht."

(Junge Frau, im Off:) "Wo steht geschrieben, dass man, nur weil man muslimische Eltern hat, muslimisch begraben werden muss? Ein solches Gesetz ist mir nicht bekannt. Während der Präsidentschaftswahlen haben sich viele Politiker den Laizismus auf die Fahnen geschrieben. Ich begreife nicht, warum sie in diesem Fall nichts unternehmen..."

(Junge Frau, im On:) "Er war Atheist. Ich habe meinen Vater niemals beten gesehen. Er hat Alkohol getrunken. Wir haben zuhause Schweinefleisch gegessen. Er hielt sich an die Gesetze, aber darüber hinaus wollte er sein Leben so leben, wie es ihm gefiel."

(Kommentator:) Der Franzose algerischer Abstammung stirbt mit 55 Jahren an Krebs. Mitten in den Vorbereitungen zu der Trauerfeier werden Amars Kinder von der Stiefmutter verklagt. Sie behauptet, ihr Mann sei praktizierender Moslem gewesen und habe eine Beisetzung nach den Riten des Islam gewünscht. Da kein Testament vorliegt, muss der Richter darüber befinden, ob Armar gläubig war. Seiner zweiten Frau gelingt es, ihn davon zu überzeugen.

(Junge Frau:) "Vor Gericht sahen wir sie zum ersten Mal verschleiert. Wir waren völlig überrascht: plötzlich war er da einen Schleier. Was war mit ihr geschehen?"

(Anwalt der jungen Frau/Tochter): "Vielleicht bin ich ja schwer von Begriff, aber wofür hält sich diese Frau? Da erscheint in einem französischen Gerichtssaal, in den heiligen Hallen der Republik, der Rektor einer Moschee mitsamt seiner verschleierten Entourage. Die Gruppe verhält sich alles andere als zurückhaltend und diskutiert in den Gängen."

(Junge Frau): "Sie erschien zusammen mit einem gewissen X., dem Vorsteher einer Moschee, wie wir später erfuhren. Warum war dieser Mann da? Gute Frage!"

(Anwalt der Stiefmutter): "Meine Klientin hatte vorgeschlagen, den Rektor der Moschee als Zeugen zu hören, weil er bestätigen könne, dass der Mann muslimischen Glaubens war. Daran erschien mir nichts Ungewöhnliches."

(Interviewer): Der Rektor kannte den Verstorbenen nicht persönlich?

(Anwalt der Stiefmutter): "Ich glaube nicht, nein!"

(Kommentator): Ein Moschee-Vorsteher, der den Verstorbenen nicht kannte, eine Frau, die ihren Ex-Mann seit zwei Jahren nicht gesehen hat. Die Klage wird zunächst abgewiesen. Doch am 23. Mai kommt es im Berufungsgericht zu einer dramatischen Wendung. Der Moschee-Rektor erlässt ein Dekret, um, wie er sagt, das "moralische Interesse" in diesem Fall zu verteidigen.

(Anwalt der Tochter): "Wer gibt ihm das Recht, sich so aufzuspielen?
Als wären französische Richter nicht in der Lage, moralische Werte zu schützen!"

(Anwalt der Stiefmutter): "Ich erinnere mich nicht an einen solchen Text. Aber man sollte solch einem Dokument nicht eine solche Bedeutung zumessen". ...

(Anwalt der Tochter): "Diesem Dekret beigefügt war ein religiöses Gutachten das als 'Fatwa' bezeichnet werden muss, adressiert an den Richter. Ich zitiere: 'Einzig ein muslimisches Rechtsorgan in einem muslimischen Land - also auch nicht bei euch in Frankreich, denn ihr dürft einen solchen Fall weder untersuchen noch ein Rechtsurteil darüber sprechen! - darf den Abfall vom Glauben feststellen oder prüfen!' Dass sie es wagen, französischen Richtern ein solches Pamphlet zuschicken, in dem sie ihnen verbieten, ihres Amtes zu walten, damit sind diese Leute entschieden zu weit gegangen!"

Kommentator: Die Fatwa verbietet dem französischen Gericht also, den Fall zu verhandeln. Auf unsere Anfrage war der Moschee-Rektor zu keiner Antwort bereit. Tatsache ist: am 3. Juni 2005 fällt das Pariser Berufungsgericht sein Urteil: Armar muss nach islamischer Sitte beigesetzt werden. Das Gericht ist zu der Auffassung gelangt, dass nicht genügend Beweise für seine atheistische Gesinnung vorliegen. Aufgrund seiner algerischen Abstammung als Moslem geboren, wird er auch als Moslem sterben.

(Anwalt der Stiefmutter): "Nur weil man nicht mehr in die Kirche oder in die Moschee geht, heißt das noch lange nicht, dass man keinen Glauben mehr hat und verloren ist!"

(Junge Frau): "Ich habe das Bedürfnis, mich bei ihm für mein Versagen zu entschuldigen. Vielleicht habe ich nicht genug gekämpft, nicht laut genug protestiert."

(Kommentator): 3 Jahre später. Das Gericht in Lille annulliert eine Ehe, weil die Frau keine Jungfrau mehr war. Die Presse spricht von einem Skandal. Es wird sogar zu einer Großdemonstration aufgerufen. Doch am Tag X ziehen unter den skeptischen Blicken der Pariser Bevölkerung nur 400 Demonstranten durch die Straßen. Ihr Ziel: die Verteidigung des laizistischen Systems, dass sie bedroht sehen. Der Begriff Laizismus bezeichnet die Trennung von Kirche und Staat, die 1905 gesetzlich festgelegt wurde. Dieses Gesetz garantiert zwar das Recht auf Glaubensfreiheit, es verbietet dem Staat aber, jedwede Religionsgemeinschaft finanziell oder anderweitig zu unterstützen. Jeder ist frei, seine Religion im privaten Bereich auszuüben. Der öffentliche Raum aber muss neutral und konfessionslos bleiben. In diesem Kompromiss sah man den einzigen Weg, um den Frieden wiederherzustellen - in einem Land, das von heftigen Auseinandersetzungen zwischen dem Klerus und den Antiklerikern aufgerieben wurde. Der Laizismus ermöglicht es den Franzosen noch heute, trotz ihrer Glaubensunterschiede in Frieden miteinander in einer Gesellschaft zu leben. Doch heute ist der Laizismus bedroht...

-Ende der ersten ca. 10 Minuten


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